Was mich an mir selbst stört: das ich mich oft von meinen Befindlichkeiten steuern lasse. Doch zunächst die für mich grundlegendere Frage: Was sind für Befindlichkeiten überhaupt in meiner Welt?

Vielleicht macht es ein Beispiel klarer:

Ich will 5-7 kg abnehmen. Eigentlich kein großes Hexenwerk. Ich strukturiere meinen Alltag entsprechend neu. Was das Essen betrifft (also, was ich esse), wann ich etwas esse und übe mich im Verzicht von Dickmachern. Dazu noch etwas Sport und damit sollte es doch gelingen, oder?

Doch dann geschieht etwas seltsames: Gedanken erscheinen scheinbar aus dem Nichts und torpedieren das Ziel. „Ach, es reicht doch, wenn ich morgen mit Sport anfange“. „Nur noch dieses eine Essen, diese eine Mahlzeit, dass ist okay“. „Heute hab ich so viele Kalorien verbrannt, da darf ich mir die Chips gönnen.“ Und dann gebe ich diesen Gedanken nach. Lasse sie zum Herren in meinem Hause werden.

Anderes Beispiel:
Ich weiß genau, wie ich meinen Berufsalltag strukturieren muss, um am Ende des Tages zurückblicken zu können mit dem Satz: „Heute war ein guter Tag“. Ich bin mir auch bewusst, das nicht alle Geschäfte zu einem Abschluss kommen. Das sich das Kommunikationsverhalten in den letzten Jahren verändert hat. Wo vor 10 Jahren das Telefon noch der primäre Kanal war ist es heute die Mail, die Chat-Nachricht, der Post auf LinkedIn. Und doch „will“ ich, dass die Leute per Telefon erreichbar sind. Und je weniger ich so erreiche, desto höher wird der Frustlevel, desto mehr und mehr übernehmen die negativen Gedanken die Oberhand und ich ziehe mich selbst runter.

Und obwohl ich mir all dessen bewusst bin, ist das dieses Gefühl der Machtlosigkeit diesen Gedanken gegenüber. Es ist, als würde ich auf dem Beifahrersitz platz nehmen und mir selbst auf dem Fahrersitz dabei zuschauen, wie ich mich diesen Gedanken hingebe und mich davon runterziehen lasse.

Das ist es glaube ich, was mich bei diesen Befindlichkeiten am meisten stört: dieses Ohnmachtsgefühl. Dieser Verlust der Kontrolle. Und dabei habe ich selbst die Strukturen geschaffen, gegen die ich heute gefühlt kämpfe. Sie sind das Konstrukt meiner Wirklichkeit.

Und wir haben einen gesellschaftlichen Namen für die Befindlichkeiten: der innere Schweinehund, deren es zu überwinden gilt. Doch schaue ich einmal genauer hin, dann erkenne ich, das es nicht um die Befindlichkeit an sich geht, sondern um die Bedürftigkeit dahinter.

Befindlichkeit ist das Produkt der Bewertung. Sie zeigt mir, wo meine Bedürftigkeit sitzt. Das Bedürfnis, gesehen werden zu wollen, eine Situation, in der mir jemand ins Wort fällt, führen zu der Bewertung, von dieser Person nicht gesehen zu werden, und münden dann in der Befindlichkeit (Trotz, Ablehnung, …).

Also ist die Befindlichkeit eher der „Rauchmelder“ der mir zeigt, wo ein Bedürfnis ist, eine Bedürftigkeit. Die Befindlichkeit selbst ist somit nicht das Problem sondern das Bedürfnis, das durch sie befriedigt werden will.

Zurück zu meinen Beispielen: Das Bedürfnis nach Genuss ist stärker als das Bedürfnis nach schlankem Aussehen. Das Bedürfnis nach Kontrolle in der Kommunikation führt zum Unmut, wenn es nicht gelingt.

Was ich damit jetzt mache? Die Befindlichkeit wahrnehmen. Mehr nicht. Denn alleine durch das Wahrnehmen verändert ich bereits alles.

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